> Offener Brief des Lak SHALOM Berlin zur Ausstellung "Wall on Wall"
> Offener Brief verschiedener Einzelpersonen und Initiativen
> Brief an die MandatsträgerInnen der LINKEN in der BVV Friedrichshain- Kreuzberg
> "Hitler good - killed Jews" by Clemens Heni
> Rede der Bezirksverord- neten Frau Sommer- Wetter zur Begründung der Zustim- mung der Linksfraktion
> Rede des SPD-Fraktionsvorsitzenden zur Begründung der Ablehnung
| Berlin, 13. April 2008
Offener Brief: Keine israelfeindliche Ausstellung in Friedrichshain-Kreuzberg an der East Side Gallery!
Das
Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat im Februar 2008 beschlossen,
die Ausstellung „Wall on Wall“ – Mauer auf Mauer – auf der
spreeseitigen East-Side-Gallery zu zeigen, dem längsten erhaltenen
Stück der ehemaligen Berliner Mauer. Diese Mauer war sichtbarster
Ausdruck des diktatorischen Einparteiensystems der DDR.Zum
wiederholten Mal wurde jedoch der endgültige Beschluss über diese Open
Air-Ausstellung verschoben und soll jetzt am 23. April 2008 in der
Bezirksverordneten- versammlung Friedrichshain-Kreuzberg gefasst
werden. Zuvor diskutiert der Kulturausschusses der BVV auf seiner
Sitzung am 16. April 2008 das Projekt. Bisher haben sich die Fraktion
der SPD sowie der Landesarbeitskreis Shalom Berlin der Linksjugend
[`solid] der Partei Die Linke und weitere Abgeordnete öffentlich vom
Projekt „Wall on Wall“ distanziert. Selbstverständlich ist jede Kritik
an Abschottung, Mauern (zumal in den Köpfen), Rassismus und der
Weigerung, Menschen in Not Schutz zu bieten, elementarer Bestandteil
jeder Demokratie. Viele Gruppen, Organisationen, Politiker und
Engagierte aus allen Teilen der Bevölkerung in der Bundesrepublik
Deutschland sind insbesondere seit Anfang der 1990er Jahre deshalb im
Bereich Flüchtlingspolitik und Antirassismus aktiv, da die Angriffe und
Morde von Neonazis an Flüchtlingen und Migranten seit 1990 bis dahin
ungekannte Ausmaße angenommen haben. Mehr als 100 Menschen, welche von
Nazis als ›undeutsch‹ definiert wurden, sind seitdem ermordet worden.Was
jedoch ist der Sinn dieses hier in Frage stehenden Projekts „Wall on
Wall“? Es sollen für einige Wochen Bilder des Fotografen Kai
Wiedenhöfer auf die Mauerstücke der East Side Gallery angebracht
werden. Wiedenhöfer ist Initiator dieses Projektes, 2007 publizierte er
einen Bildband mit Fotografien des Antiterrorschutzwalls in Israel bzw.
den Gebieten der Palästinensischen Autonomiebehörde.Zwischen
dem 29.09.2000 und dem 1.12.2004 wurden in Israel 919 Israelis von
palästinensischen Terroristen ermordet. 6123 Israelis wurden verletzt.
Insgesamt gab es in dieser Periode 20.416 Terrorattacken. Die
tagtäglichen terroristischen Angriffe und Mordanschläge wie jüngst vor
wenigen Tagen im Treibstofflager Nahal Oz, wo zwei Juden ermordet
wurden - einer der beiden Ermordeten hinterlässt seine Ex-Frau sowie
eine Tochter in Deutschland - sollen durch den Antiterrorschutzwall,
der zum überwiegenden Teil ein Zaun ist, verhindert werden. In dem
Bildband von Wiedenhöfer sind 50 doppelseitige, im Panoramastil
aufgenommene Bilder dieses Antiterrorschutzwalls in Israel zu sehen.
Die Bilder wurden zwischen 2003 und 2006 aufgenommen und zeigen ohne
Kontext unterschiedliche Perspektiven auf diesen Schutzwall. Harmlose
Pferde, kleine Kinder und arabische Frauen mit Kopftuch stehen
israelischen Soldaten und eben diesem Zaun/dieser Mauer gegenüber.
Täter sind für Wiedenhöfer nur die Juden, Palästinenser ausschließlich
die Opfer. Er zeigt kein einziges Bild eines von einem
islamisch-arabischen Selbstmordattentäter zerfetzten Juden. Kein
einziger fanatischer, von der Terrororganisation Hamas oder Predigern
in den Moscheen im Westjordanland aufgehetzter Jihadist wird gezeigt.
Seit Jahren benutzen jene die eigene Zivilbevölkerung als Schutzschilde
oder Bombenschmuggler. Gegen all diese Terroristen richtet sich jedoch
dieser Zaun. Israel ist die einzige Demokratie im Nahen Osten. Mehr als
eine Million ihrer Staatsbürger ist arabisch. Der israelische Minister
für Wissenschaft und Sport ist ein Araber. Diese Araber ziehen es vor,
in Israel zu leben anstatt in einem der es umgebenden undemokratischen,
islamisch-arabischen Regimes. Wer die Berliner Mauer, Ausdruck einer
Diktatur und Abwehr westlich-liberaler Lebenseinstellung, mit dem
israelischen Zaun gegen die Mordanschläge von palästinensischen und
sonstigen antisemitischen Terroristen vergleicht, handelt
verantwortungslos und antisemitisch. Es ist Kennzeichen des neuen
Antisemitismus, dass Israel mit Diktaturen verglichen oder
gleichgesetzt wird.Das
zeigt sich in einer der Fotografien in dem 2007 publizierten Fotoband
von Wiedenhöfer: Dort ist auf Seite 92/93 ein Foto des Schutzwalles
abgebildet, welcher von Antisemiten wie folgt beschmiert wurde: »Warsaw
1943«, daneben Hakenkreuze und ein Davidstern, daneben »American Money
– Israeli Apartheid«. Die Gleichsetzung des Warschauer Ghettos mit der
Situation der Palästinenser heute in den Gebieten der Palästinensischen
Autonomiebehörde ist ein typischer und besonders infamer Fall von
Judenhass. Juden werden mit ihren Mördern, den Deutschen
Nationalsozialisten, gleichgesetzt. Die Arbeitsdefinition der
Europäischen Union zu Antisemitismus sowie die internationale
Antisemitismusforschung haben dies ebenso als Judenhass analysiert.
Auch die jetzt geplante Erweiterung um Bilder der Grenzanlagen in
USA/Mexiko, der Südwestgrenze Europas oder Nordirlands ändert nichts an
der Grundausrichtung dieser skandalösen Ausstellung. Wir können uns
nicht vorstellen, dass zumal Mitglieder der Fraktion der Grünen, der
größten Fraktion in der BVV Friedrichshain-Kreuzberg, eine solche
Ausstellung unterstützen wollen, da doch Teile dieser Partei, das
ehemalige Bündnis 90, ehemals Oppositionelle in der DDR waren und kein
Interesse an der grotesken Verharmlosung der Berlin Mauer haben
dürften. Wer sich gegen den Antiterrorzaun wendet, der eine reine
Abwehrmaßnahme Israels darstellt, verschließt die Augen davor, dass
ohne den Zaun Menschen täglich in Todesangst mit dem Bus in Tel Aviv
oder Jerusalem zur Arbeit fahren.Sollte sich die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg für die geplanteantijüdische
Fotoausstellung „Wall on Wall“ aussprechen, sehen wir das als Zeichen,
dass sie nichts aus der Geschichte gelernt hat und Judenhass sowie
Antiamerikanismus und eine Verharmlosung der menschenfeindlichen
Berliner Mauer der DDR unterstützt.Wir fordern von der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain- Kreuzberg in Berlin:> kein Platz für die antiisraelische Ausstellung „Wall on Wall“ an der Berliner Mauer> keine Verniedlichung der diktatorischen SED-Herrschaft und dem Gefängnis DDR> keine Gleichsetzung von Demokratien (Israel, Europa, Nordirland, USA) mit einer Diktatur (DDR)Zudem fordern wir von der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain- Kreuzberg:
>
Kein Platz für antisemitische Weltverschwörungstheorien, wie sie Teil
der von Kai Wiedenhöfer geplanten Ausstellung sind
(Israel-Nazis-USA-Geld-Israels »Apartheid«) >
Den Aufbau einer Städtepartnerschaft mit der täglich von Raketen aus
dem Gazastreifen bedrohten israelischen Stadt Sderot, analog zur
Städtepartnerschaft des Bezirks Tempelhof-Schöneberg mit der
israelischen Stadt Nahariya> Solidarität mit dem Staat Israel und ein Glückwunschtelegramm zum 60. Geburtstag! Unterzeichner: Dr. Clemens Heni, Berlin (Scholars for Peace in the Middle East/German Chapter) Susanne Wein, Berlin (Scholars for Peace in the Middle East/German Chapter)
Univ.-Prof. Dr. Ralf Schumann, Berlin (Scholars for Peace in the Middle
East/German Chapter, Institute for Microbiology and Hygiene; Charité-Universitätsmedizin)
Prof. Dr. Diethard Pallaschke (Scholars for Peace in the Middle
East/German Chapter; Institut für Statistik und Mathematissche Wirtschaftstheorie
Dr. Elvira Grözinger, Berlin (Scholars for Peace in the Middle
East/German Chapter) Jörg Rensmann, Berlin (Scholars for Peace in the Middle East/German Chapter) …
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