| Berlin
im März 2008
Offener
Brief des Landesarbeitskreis Shalom Berlin der Linkjugend [`solid]
an die Mitglieder des Bezirksamtes von Friedrichshain-Kreuzberg:
Dr. Franz Schulz, Sigrid Klebba, Knut Mildner-Spindler, Frau
Monika Herrmann, Dr. Peter Beckers und Frau Jutta Kalepky.
Deutscher
Fotograf will Israel Demokratie lehren
Ausstellung
mit Fotos israelischer Sicherheitsmaßnamen an der Berliner
East Side Gallery geplant – Proteste dagegen angekündigt.
Der
Fotograf Kai Wiedenhöfer plant eine Fotoausstellung mit
Bildern von israelischen Sicherheitsmaßnamen gegen Anschläge
palästinensischer Terroristen. Für Wiedenhöfer geht
es bei der Ausstellung um die "Verflüssigung
festgefahrener Konflikte". Dieses Projekt will er nicht
irgendwo veröffentlichen, sondern an dem übrig
gebliebenen Mauerstreifen zwischen Friedrichshain und Kreuzberg -
die Stadtteile, die heute einen gemeinsamen Bezirk bilden.
Wiedenhöfer
betreibt damit die Gleichsetzung der DDR mit der parlamentarischen
Demokratie Israels, die sich gegen antisemitisch motivierte
Angriffe verteidigt. Ihm fällt dazu nur Folgendes ein: "Von
diesem Land ist unendlich viel Leid ausgegangen, aber dann haben
wir es 1989 geschafft, friedlich die Mauer zu beseitigen".
Was passieren würde, wenn Israel seine Sicherheitsmaßnamen
einstellen würde, ist ihm durchaus bekannt: der Staat Israel
wäre dem Untergang geweiht.
Kai
Wiedenhöfer möchte den Unterschied nicht wahrhaben, dass
die DDR-Führung mit dem Bau der Mauer die eigene Bevölkerung
eingesperrt hat und Israel Terroristen aussperrt.
Die
Zahl der Selbstmordanschläge, die sich gegen die israelische
Zivilbevölkerung richten, ist seit der Errichtung des
Sicherheitszauns drastisch gesunken. Dass diese Sicherungsmaßnamen
noch nicht einmal ausreichen, zeigt das Attentat eines
israelischen Arabers vom 06. März 2008 auf eine Talmud-Schule
in Jerusalem, bei dem acht jüdische Studenten im Kugelhagel
starben und 35 weitere zum Teil schwer verletzt wurden. Weiter
konnte man sehen, wohin es führt, wenn Terroristen kein
Einhalt geboten wird: Nachdem die Hamas Anfang des Jahres die
Grenzbefestigungen zwischen dem Gazastreifen und Ägypten
sprengte, drangen mindestens zwei palästinensische Attentäter
über die Sinai-Halbinsel nach Israel ein und sprengten sich
am 04. Februar 2008 in Dimona vor einem Einkaufszentrum in die
Luft. Dabei kam eine Frau ums Leben und es wurden mehrere Dutzend
Passanten verletzt. Da sich noch weitere Terroristen auf dem Sinai
befinden, wurden die Sicherheitsvorkehrungen an der israelischen
Grenze zu Ägypten massiv verschärft.
Bereits
im letzten Jahr lag dem Bezirksamt von Friedrichshain-Kreuzberg
ein Antrag vor, die Ausstellung "Wall on Wall" an den
Mauerresten in der Stralauer Allee in Friedrichshain anzubringen.
Nach Kritik verschiedener Institutionen an dem Projekt fand im
Januar eine öffentliche Sitzung des zuständigen
Kulturausschusses mit verschiedenen Persönlichkeiten zu dem
geplanten Projekt statt. Aus ihren Reihen gab es massive Kritik an
der Gleichsetzung der Berliner Mauer und des Sicherheitszaunes in
Israel. Ein Vertreter der „Kreuzberger Initiative
gegen
Antisemitismus“ wies darauf hin, die Ausstellung suggeriere,
dass auch die israelische Sperranlage unverzüglich zu
beseitigen sei, und dass doch mit Israel das Gleiche geschehen
möge wie mit der DDR - nämlich der Untergang.
Die
Kritik an der Ausstellung ist an den Machern eiskalt und ohne
Antwort abgeschmettert. Kai Wiedenhöfer sah es nicht als
notwendig an, auf die politische Kritik am geplanten Projekt
einzugehen. Für ihn ist es die "Freiheit der Kunst"
und die "Notwendigkeit von Provokation". Im Nachhinein
merkten die Macher noch an, dass es ihnen mit Blick auf Israel um
die "Demokratisierung der ganzen Welt“ geht und das die
Kritikerinnen und Kritiker der Ausstellung “nur Angst vor der
Reaktion des israelischen Botschafters“ hätten.
Aufgrund
des Protestes hat das Bezirksamt die Ausstellung verändert,
aber nicht aufgegeben. Die Fotoserie soll nun noch ergänzt
werden in der Hoffnung, dass dann die Kritikerinnen und Kritiker
verstummen werden. Jetzt sollen neben den Bildern aus Israel auch
Fotos von Grenzanlagen aus den USA, Mexiko, Irland und Zypern
gezeigt werden. Damit wird aber Israel noch immer mit der DDR
gleichgesetzt und weiter werden die Sicherheitsmaßnamen des
jüdischen Staates nun noch mit den Grenzanlagen in anderen
Ländern auf eine Stufe gestellt.
Die
Sprecher des Landesarbeitskreis Shalom Berlin der Linkjugend
[`solid] Bjoern Tielebein und Philipp Häusler erklären
zu den Vorgängen: “Das dass Bezirksamt von
Friedrichshain-Kreuzberg dem Staat Israel zum 60. Jahrestag seines
Bestehens auf eine ganz besondere Art und Weise gratuliert, ist
für uns unerträglich. Wir können nicht
nachvollziehen, wie die Stadträte, gerade mit Blick auf die
deutsche Geschichte, in solch einer Art und Weise den Schutzraum
aller Jüdinnen und Juden vor Antisemitismus verunglimpfen.
Wir fordern das Bezirksamt auf, die Genehmigung für die
Ausstellung zurück zu nehmen“. Weiterhin erklären sie:
“Wenn es zur Eröffnung der Ausstellung kommen sollte,
werden wir dagegen demonstrieren. Im Gegensatz zu Kai Wiedenhöfer
führen wir Argumentationen an, die den als Israelkritik
verpackten deutschen Antisemitismus inhaltlich angreifen“.
Mit
freundlichen Grüßen
Bjoern
Tielebein und Philipp Häusler
Kontakt:
Mail:
bjoern.tielebein [at] shalom-berlin.com, philipp.haeusler [at]
shalom-berlin.com
Web:
www.shalom-berlin.com
Telefon:
0179 - 4298864
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