Doch schauen wir uns den „bösen Unternehmer“ von Nokia oder was auch immer an, könnte man denken, dass es auch „gute Unternehmer“ geben müsse. Gut wäre in diesem Fall wohl ein nicht-kapitalistischer Unternehmer. „Nokia hat keine Skrupel, erst öffentliche Gelder abzugraben, reichlich Profite zu erwirtschaften und dann tausende Familien in die Arbeitslosigkeit und Armut zu entlassen. Werte wie Menschenwürde, gute Arbeit und soziale Gerechtigkeit werden mit Füßen getreten.“, kritisierte die Linke. die Vorhaben der Nokia-Führung. Doch welches Ziel verfolgt ein Unternehmen? Es ist die Profitmaximierung, nicht die Verbreitung von „Menschenwürde, gute[r] Arbeit und soziale[r] Gerechtigkeit“. Würde ein „guter Unternehmer“ das tun, wäre er die längste Zeit seines Lebens „guter Unternehmer“ gewesen, denn dann könnte er den Laden dicht machen.
„Es handelt sich hier eben nicht einfach um die „gierigen Ausbeuter”, die den armen Arbeiter und die ganze Welt böswillig ausquetschen wollen. Deutlicher: Entlassungen, Standortwechsel und Lohnkürzungen sind nicht Geburten der „kapitalistischen Raffgier”, die man durch moralische Appelle an Menschen, die auch nur Rädchen im kapitalistischen Getriebe sind, beseitigen oder einschränken könnte, noch kann man diese Übel durch eine Personalisierung des „kapitalistischen Bösen” im fiesen fracktragenden Kapitalisten mit Zylinder und Zigarre erfassen.“, heißt es im Text „Kapitalismus hat kein Gesicht“ vollkommen richtig.
Umso erschreckender ist es, wenn es sich Linke doch zur Aufgabe machen, „dem Kapitalismus ein Gesicht zu geben“, wie es im Leitantrag des Brandenburger Jugendverbandes [’solid] – die sozialistische Jugend 2007 gefordert wurde, um Coca-Cola und G8 für das Übel in der Welt verantwortlich zu machen.
Richtig wäre es allerdings den Kapitalismus als eine apersonale Herrschaft zu begreifen, als eine Herrschaft durch Sachzwänge. Denn selbst die Antikapitalist_innen unter uns sind gezwungen zu arbeiten, zu konsumieren und ein Stück weit zu gehorchen, möchten sie ein halbwegs vernünftiges Leben führen. Und auch die „bösen Kapitalisten“ handeln so. „Im Kapitalismus herrschen nicht Einzelne, setzen nicht irgendwelche Machthaber mit Tricks und Gewalt ihre persönlichen Zwecke durch. Es ist der Kapitalismus selbst, welcher herrscht, der den ökonomisch Handelnden und selbst dem Staatspersonal Zwecke in Gestalt von ‘Sachzwängen’ vorgibt.”, heißt es im Text „Grundlagen der Kapitalismuskritik“ der Jungen Linken.
Und genau das muss von einer Linken eingesehen werden, die
Emanzipation, Freiheit und Kommunismus einfordert, sonst gibt es keine
programmatischen Unterschiede zu Rechtsextremisten der NPD, die bspw.
das internationale Judentum für den Kapitalismus verantwortlich machen.
Ganz abgesehen davon, dass es schwachsinnig ist, Judentum als Träger
für den Kapitalismus zu verstehen, was würde denn passieren, würde es
diese Kapitalisten nicht mehr geben? Ganz einfach: Es würden andere für
sie in ihre Position gelangen. Jede Kritik an Umweltzerstörung, an
Entlassungen, an Korruption usw. muss deshalb eine kommunistische
Perspektive haben und sich nicht an einzelnen Personen aufreiben.

„Fakt bleibt ganz schlicht und einfach, dass die kapitalistische Welt
auch ohne Korruption bzw. elitäre „Verschwörungen” und mit „guten
ehrlichen Demokraten” eine kapitalistische Welt bleibt, deren Bewohner
noch immer denselben kapitalistischen Zwängen und Übeln unterworfen
sind. Antikapitalismus mit der Zielsetzung, ein paar Schauspieler in
diesem Kasperletheater zu verdammen, weil ihr Spiel einigen Zuschauern
nicht gefällt, ändert nichts am grundsätzlichen Drehbuch, ist in
Wahrheit auch kein Antikapitalismus, sondern höchstens halbgare Kritik
und naiver Reformismus.“, wie es im Text „Kapitalismus hat kein
Gesicht“ heißt, oder nichts anderes als regressiver Antikapitalismus,
also eine Kapitalismuskritik, die an sich eben nicht fortschrittlich
ist, sondern das Gegenteil, rückschrittlich.
Dass dieser regressive Antikapitalismus bis hin zu Antisemitismus
führt, wurde bei den Nationalsozialisten deutlich, die das Kapital in
„schaffendes“, also in „gutes“, und in „raffendes“, also „böses“
Kapital unterteilten. Das „raffende Kapital” wurde mit den Juden in
Verbindung gebracht, als bodenlos und kosmopolitisch verleumdet. Kein
Wunder, dass sich die Nationalsozialisten es zum Ziel setzten, das
Judentum zu vernichten, glaubten sie doch, dies wäre die Lösung aller
Probleme.
Heute funktioniert dieser regressive Antikapitalismus auch ohne Juden.
Heute sind es „Heuschrecken“, die das deutsche arbeitende Volk
aussaugen. Auch Oskar Lafontaine zeigt sich als Liebhaber solcher
Metaphern: „Um im Bild zu bleiben: Nicht nur Heuschrecken fallen über
Unternehmen her und kümmern sich nicht darum, was mit den Arbeitnehmern
passiert. Sondern es sind auch Heuschrecken über den Sozialstaat
hergefallen und haben ihn demoliert. Da gibt es Heuschrecken mit
prominenten Namen, die heißen Franz, Gerhard und Ute.“
Oskar und Co. geht es also „ganz offenbar nur um ein neues Drehbuch, neues Make-Up oder bessere Beleuchtung für das globale kapitalistische Stück und nicht darum, worum es gehen sollte: um den Abriss des Theaters und den Aufbau einer neuen Bühne unter freiem Himmel, auf der wir endlich frei atmen und leben können.“ (Kapitalismus hat kein Gesicht). Diese Tatsache zu begreifen wäre schon ein erster Schritt in die richtige Richtung – und doch werden an diesem Abend in der Tagesschau die Lafontaines, Sommers und Bsirskes gegen „die da oben“, gegen Simens, Nokia und Co. - kurz, gegen „die Heuschrecken“ wettern.
[Gruppe ISKRA] für den BAK Shalom

Es
ist bald 1. Mai und es wird wie immer Gerechtigkeit gefordert werden.
Überall auf der Welt, so auch in Deutschland, werden Menschen
ausgebeutet und unterdrückt. Der 1. Mai entstand aus dem Kampf für
Emanzipation und Kommunismus, also aus einem Kampf, dessen Ziel es war
„alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes,
ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“ (Karl
Marx). So weit, so gut. Doch schauen wir, was aus den guten Vorsätzen
geworden ist. Wenn es um (soziale) Gerechtigkeit geht, dann geht es
allzu oft um die Machenschaften der Konzerne, anderen auch bekannt als
„Heuschrecken“. Nokia, Coca-Cola, Siemens, Mc Donald’s, alle haben es
sich auf die Fahnen geschrieben, die Menschen zu unterdrücken und
auszubeuten. Schlimm, diese Konzerne – richtig böse, fies und gemein -
haben sie doch nichts besseres zu tun, dabei sollten sie doch viel mehr
den Menschen dienen. Würden „die Kapitalisten“, „die Bonzen“, „die da
oben“ mal endlich was richtig machen, gerecht sein eben. Und genau hier
sind wir am Punkt: Kapitalismus wird als personelle Herrschaft
wahrgenommen, als ein System, das ein gewisser Kreis von Personen zu
verantworten hat.






