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Protest gegen antiisraelische Kundgebung vor dem Bundeskanzleramt in Berlin

Für den 14.März 2008 mobilisierten ein Dutzend Gruppen aus der deutbschen Friedensbewegung zu einer Protestkundgebung vor dem Bundeskanzleramt in Berlin. Der Grund dafür war der Besuch Angela Merkels in dieser Woche in der israelischen Hauptstadt Jerusalem. Sie ist damit die erste Regierungschefin, die vor dem 60.Jahrestag der Staatsgründung Israels, den jüdischen Staat besucht.

Die so genannten “Friedensgruppen“ würdigten dieses historische Ereignis aber nicht, sondern brachten offen ihre Abneigung gegen Israel zum Ausdruck.

Die Geschichte des globalen Antisemitismus wurde ebenso ignoriert, wie die Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden und die Ereignisse im Osmanischen Reich und später im britischen Mandatsgebiet Palästina Ende des 19. und Anfang des 20 Jahrhunderts.

63 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz und der Befreiung der Welt vom nationalsozialistischen Deutschland, ist die Reise der deutschen Kanzlerin und mehrer Ministerinnen und Minister von großem Wert. Bei aller berechtigten Kritik an der derzeitigen Bundesregierung, ist der Besuch des halben Bundeskabinetts in Israel wichtig im Kampf gegen den deutschen Antisemitismus. Das die Tageszeitung Junge Welt in ihrer Ausgabe vom 12.März 2008 schreibt, dass der Besuch der deutschen Regierungschefin in Israel “auf Dauer den Antisemitismus hierzulande stärkt“ ist nicht nur sehr ignorant, sondern zeigt auch offen wie resistent ein Großteil der deutschen Gesellschaft gegen die Bekämpfung des Antisemitismus ist.

Die an der Organisation der Kundgebung beteiligten “Friedensgruppen“ und die Junge Welt sprechen in ihrem Aufruf von “Flucht und der Vertreibung hunderttausender Palästinenser und die ethnische Säuberung eines Teils Palästinas“. Das es keine organisierte “Vertreibung“ der sich zum Zeitpunkt in Israel befindenden Araber gab, will dieser Personenkreis nicht wahr haben. Auch nicht das der Grund für die “Flucht“ von der sie sprechen, nicht an den Jüdinnen und Juden lag, sondern an der Arabischen Liga und dem palästinensischen Oberhaupt Mohammed Amin al-Husseini, die die arabische Bevölkerung nach der Staatsgründung Israels aufforderten und teilweise auch zwangen das Gebiet zu verlassen. Man wollte nicht mit jüdischen Bewohner_innen in einem Staat friedlich zusammen leben. Nach der ersten Welle des Wegzuges der arabischen Bevölkerung aus dem neu gegründeten jüdischen Staat, legten die arabischen Führer noch einmal nach und schürten den Hass und die Angst vor “den Juden“. So wurden die alten antisemitischen Ressentiments verbreitet, dass Jüdinnen und Juden blutrünstig währen, wahllos Menschen foltern, vergewaltigen, töten und das Blut ihrer Gegner trinken würden. Ca. 700.000 Araber verließen das Territorium Israels, die zum Großteil in den 50 Jahren davor oft gerade wegen den jüdischen Einwander_innen, die das Land kultivierten, in das Gebiet kamen um dort zu leben.

Die Veranstalteter fordern eine Unterstützung des “gewaltfreien palästinensischen Widerstandes“. Auf Nachfrage vor Ort, warum überhaupt zum Widerstand gegen den jüdischen Staat aufgerufen wird und ob unter Selbstmordattentaten und hundertfachem Raketenbeschuss gegen Israel “gewaltfreier Widerstand“ verstanden wird, reagierten die Organisatoren erst einmal sehr verhalten. Die erste Frage wurde dann schließlich damit beantwortet, dass ein jüdischer Staat keine Existenzberechtigung hat. Bei der zweiten Frage wurde nur der erste Teil beantwortet und zwar dass die Raketen, die aus dem Gazastreifen auf israelische Städte niedergehen, ja nur “Spielzeugraketen“ sind.

Weiter wurde behauptet dass die westlichen Staaten, die Geldzahlungen an die Palästinenser leisten um die Ausbildung der Polizeiinfrastruktur voranzubringen, den innerpalästinensischen Bürgerkrieg weiter anfachen. Diese Verdrehung der Tatsachen entbehrt jeglicher Logik, denn gerade die fehlende Existenz von staatlichen Sicherheitskräften in den Autonomiegebieten führt zur weiteren Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung. So fliehen beispielsweise immer mehr unterdrückte Frauen aus dem Gazastreifen in die Westbank und Homosexuelle nach Israel, um nicht Opfer der islamistischen Hamas zu werden.
So richtig lächerlich machten sich die Veranstalter dann mit der Forderung die Hamas mit in den israelisch-palästinensischen Friedensprozess einzubeziehen. Sie wollen also eine zutiefst antisemitische Terrororganisation, die den Frieden mit allen Mitteln bekämpft, in den Verhandlungsprozess mit einbeziehen. In der Charta der Hamas steht, dass der jüdische Staat gewaltsam vernichtet werden muss und dessen Bevölkerung ins Meer zu treiben ist.

Dass zeigt offen was die Organisatoren der Kundgebung unter dem Begriff “Frieden“ verstehen: Krieg gegen Israel und die Israelis sollen zugucken, wie sie vernichtet werden.

Am Samstag vor der Kundgebung vor dem Bundeskanzleramt sind schon eintausend Menschen mit antiisraelischen und antijüdischen Parolen über den Kurfürstendamm gezogen. Aus dieser Demonstration heraus haben circa 30 Teilnehmer versucht, dass jüdische Gemeindehaus in Berlin anzugreifen – dies konnte aber zum Glück durch die Polizeikräfte vor Ort verhindert werden.
Einige Mitglieder des Landesarbeitskreis Shalom Berlin der Linksjugend [`solid] wollten es nicht akzeptieren, dass erneut öffentlich der Hass gegen Israel geschürt wird. Darum wurde vor Ort versucht, mit den Teilnehmer_innen und den Veranstaltern in einen kritischen Dialog dazu treten.

Die Diskussion mit den meisten der 50 Teilnehmer_innen war nicht möglich, weil sie entweder dazu nicht bereit waren oder laut herumschrieen und teilweise auch Beschimpfungen aussprachen. Dennoch wurde weiter die Diskussion zum Thema der Kundgebung gesucht, so waren dann auch einige wenige dazu bereit sich sachlich und inhaltlich mit ihren Positionen auseinanderzusetzen.

Die Veranstalter gaben in ihrer aggressiven Art bekannt, dass sie eine Zweistaatenlösung im Nahen Osten ablehnen und auf dem gesamten israelischen Staatsgebiet (“inklusive der Golanhöhen“) einen islamischen Staat Palästina errichten wollen.

Damit den Demonstrierenden, die nicht in der Lage waren mit den Mitgliedern des LAK Shalom in den Dialog zu treten, zu zeigen das antiisraelische Stimmungsmache nicht von allen Menschen akzeptiert wird, wurde auch sichtbar Protest gezeigt. Mit einem Transparent gegen Antisemitismus und einer Israelfahne zogen sich die Aktivisten dann noch mehr lautstarke Beschimpfungen auf sich, auf die wir hier nicht weiter eingehen möchten.

Nach kurzer Zeit wurden die Personen die gegen Antisemitismus und Antizionismus protestierten von Polizeibeamten umstellt und erhielten Platzverweise. Zur Sicherheit hatten die Veranstalter der antiisraelischen Kundgebung schon mal die Aktivisten aus der Versammlung ausgeschlossen, damit sie sich gar nicht weiter in dem Bereich aufhalten können.

Den Platzverweisen wurde natürlich nachgekommen und so wurde der Platz vor dem Bundeskanzleramt verlassen. Der Protest gegen eine tiefverwurzelte Israelfeindschaft eines Teiles von selbst ernannten linken Menschen wurde aber erfolgreich gezeigt.


Landesarbeitskreis Shalom, März 2008


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Bundesarbeitskreis SHALOM


DOKUMENTE:

<<< Grundsatzerklärung des BAK SHALOM

<<< Offener Brief zur Austellung „Wall on Wall

<<< Erklärung zu den Vorfällen am 19. Januar 2008 in Magdeburg