> Offener Brief des Lak SHALOM Berlin zur Ausstellung "Wall on Wall"
> Offener Brief verschiedener Einzelpersonen und Initiativen
> Brief an die MandatsträgerInnen der LINKEN in der BVV Friedrichshain- Kreuzberg
> "Hitler good - killed Jews" by Clemens Heni
> Rede der Bezirksverord- neten Frau Sommer- Wetter zur Begründung der Zustim- mung der Linksfraktion
> Rede des SPD-Fraktionsvorsitzenden zur Begründung der Ablehnung
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Brief des Bezirksbürgermeisters von Friedrichshain-Kreuzberg Dr. Franz Schulz an den LAK SHALOM Berlin
Sehr geehrter Herr Tielebein, sehr geehrter Herr Häusler,
vielen Dank für Ihr großes Interesse an der geplanten Fotoausstellung „wall on wall“ von Kai Wiedenhöfer.
Vorab
sollte ich vielleicht klar stellen, dass nicht das Bezirksamt die
Ausstellung organisiert und kuratiert, sondern hier nur in der Funktion
als Eigentümer der „Mauer“ auftritt. Wie Sie offenkundig wissen, wurde dieses Projekt sehr intensiv unter verschiedenen Gesichtspunkten im Bezirksamt, in der Kommission für Kunst im öffentlichen Raum, im Ausschuss für Kultur und Bildung und in der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg diskutiert.
In
dieser Diskussion wurde auch kontrovers die Frage erörtert, inwieweit
die Fotoausstellung mit Bildern der israelischen Mauer auf der
ehemaligen Hinterlandmauer der DDR (mit ihrer künstlerischen Überformung durch die East-Side-Gallery) eine assoziative Gleichsetzung befördern würde. Eine Gleichsetzung, die weder von Kai Wiedenhöfer beabsichtigt wird noch inhaltlich vertretbar wäre.
Er
hat als Ergebnis dieser Diskussion sein Ausstellungskonzept um weitere
Grenzanlagen in anderen Ländern erweitert sowie als Ausstellungsfläche
nunmehr die Rückseite der East-Side-Gallery vorgesehen. Dies
liegt auch in der Intention von Kai Wiedenhöfer: Sich mit seinen
künstlerischen Ausdrucksformen grundsätzlich dem Thema „Mauer“, mit
allen Implikationen auf das entstehende Außen und Innen, der Zäsur und
der Wirkung auf den Alltag der Menschen zu nähern. Dabei vertritt er die Haltung, dass Mauern grundsätzlich keine Lösung politischer Konflikte sein können.
Diese
Haltung muß man (politisch) nicht teilen. Aber auch bei einer anderen
Bewertung oder Rechtfertigung von „Mauern“ kann dies nicht Grundlage
sein, seine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema unterbinden
zu wollen.
Kai
Wiedenhöfer arbeitet nicht als „politischer Chronist“ oder Soziologe
und auch nicht als Politiker, sondern als international anerkannter
Fotokünstler, der mit seinen Bildern auf einen Zustand der Welt
aufmerksam machen will. Vielleicht ist er in seiner grundsätzlichen
Haltung zu „Mauern“ ein Utopist. Allerdings wäre auch das nichts aufregendes: Kunst lebt immer wieder von der Kraft von Utopien.
Ihr
im „Offenen Brief“ geäußerter Vorwurf, Kai Wiedenhöfer würde es nicht
als notwendig ansehen, auf die „politische Kritik“ am geplanten Projekt
einzugehen, erscheint mir deshalb vor dem genannten Hintergrund höchst
problematisch. Zu Ende gedacht würde es bedeuten, dass nur von der
Politik als politisch korrekt definierte Kunst zulässig wäre. Eine
Haltung, die einige Assoziationen zur Instrumentalisierung von Kunst im
ehemaligen Realsozialismus, aber auch in den davor liegenden
Geschichtsabschnitten wach ruft. Ich kann mir nicht vorstellen, dass
Sie als „Linksjugend“ eine solche Konsequenz für richtig halten.
In
aller Deutlichkeit will ich jedoch Ihre Unterstellung zurückweisen,
dass Kai Wiedenhöfer einen als „Israelkritik verpackten deutschen
Antisemitismus“ mit seinen Bildern vertritt. Es ist Ihnen freigestellt,
Ihre Kritik an dem künstlerischen Konzept des Herrn Wiedenhöfer zu
äußern (das ist legitim), ich bitte Sie jedoch, nicht zu versuchen,
Herrn Wiedenhöfer mit derartigen, aus meiner Sicht böswilligen
Unterstellungen zu diskreditieren.
Für weitere klärende Gespräche stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
gez. Franz Schulz
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